Von Werder (a.d. Havel) nach Bremen und zurück, Tag 3

      Tag 3 (23.07.2025) – Von Wolfsburg nach Seelze bei Hannover

      Heute haben wir gegen 07.45 Uhr im Hafen in Wolfsburg abgelegt. Ich eher widerwillig, denn es war sehr windig bis böig und ich habe mir Sorgen gemacht, welche Auswirkungen der Wind auf das Anlegen an den Warteplätzen vor den Schleusen und auch auf das Schleusen an sich hat. Aber mein Kapitän kennt kein schlechtes Wetter und so haben wir mit Hoffnung auf Wetterbesserung abgelegt. Es galt den Zeitplan einzuhalten.

      Wir sind gut aus unserer engen Hafenausfahrt in Richtung Schleuse Sülfeld rausgefahren. In Sülfeld angekommen, legten wir alleine am Anlieger für Sportboote an, um auf die Freigabe des Schleusenwärters zu warten. Aus der Schleuse kamen nach einiger Zeit zwei Frachter bergaufwärts gefahren, aber in unsere Richtung tat sich nichts. In der Zwischenzeit hat bereits ein weiteres Sportboot hinter uns festgemacht, so dass wir hofften, endlich geschleust werden zu können. Doch wir warteten vergebens. Nach gut einer Stunde wurden wir erlöst, da ein Frachter auf der anderen Seite sich beim Schleusenpersonal angemeldet hat. Damit keine Leerschleusung entsteht, wurden wir Sportboote in die Kammer gelassen. Der Wasserpegel in der Kammer wurde um 9 m angehoben.

      Informationsstand am Wartebereich für Sportboote
      Hier hatte jemand schon sein Frühstück, wir noch nicht. Wir frühstücken abwechselnd unterwegs.
      David war noch voller Hoffnung, dass wir nicht lange warten müssen, denn die Schleusenkammer ging relativ schnell auf und zwei Frachter fuhren raus.
      In der Schleuse in Sülfeld. David arbeitet mit einem Schleusenhaken.
      Ich habe die Mittelleine um den Schimmpoller gelegt und an der Klampe festgemacht. Wir haben aus den gestrigen Fehler gelernt und heute lief alles wie am Schnürchen, bis zur zweiten Schleuse.

      Danach führte uns unsere Route bei anhaltendem Gegenwind vorbei am Abbesbütteler Yachthafen kurz vor Braunschweig. Dort standen prachtvolle Villen. Gastanlieger sind hier eher nicht so erwünscht, jedenfalls gibt es für diese keinen Service. Man mag es eben unter sich zu sein.

      Yachthafen Abbesbüttel
      Hier lebt man luxeriös.

      In Braunschweig haben wir den Hafen für Güterverkehr passiert und folgten dem Mittellandkanal Richtung Peine bzw. Hannover. Kurz hinter Peine sah David über das AIS (Automatic Identification System), welches alle Berufsschiffe besitzen, dass ein Frachter kurz vor uns fährt. Auf unserem Kartenplotter von Raymarine mit Touchfunktion sieht man ebenfalls die Geschwindigkeit der Schiffe mit AIS. Nach kurzer Überschlagsrechnung drosselte David die Geschwindigkeit, so dass wir ausreichend vor der nächsten Schleuse Anderten den Frachter eingeholt hatten. Unser Plan war es mit dem Frachter zusammen in die Schleusenkammer zu fahren um nicht weitere wertvolle Zeit zu verlieren, denn wir hatten noch 25 km bis zum Yachthafen Seelzen und es war bereits 15.00 Uhr. Die Idee ging auf, jedoch waren wir auf den Schleusvorgang nicht ausreichend vorbereitet. Der Fender am Bug (vorne) hing zu hoch. Ich bekam die Leine nicht um das Gewinde vom Poller, der Wind war mein Gegner und das Heck brach aus und unser Bug schaute über die Schleusenwand drüber, da wir nach unten schleusten. Im schlimmsten Fall haben wir Backbord am Bug (vorne Links) durch den zu hohen Fender ein paar Schrammen. Ich hätte flippen können, denn meine Rufe in die Kabine kamen bei laufenden Motoren nicht bei meinem Kapitän an und so wurde es hektisch und wir waren die Theatervorstellung für die Crew des Frachters vor uns und der zwei Sportboote neben uns. Wieder was gelernt. Mein Tipp: Beim nach unten Schleusen Fender tief hängen und in Anderten das lose Ende von der Leine mit reichlich Abstand um die Klappe schlagen und das Auge um die Stange am Poller führen und mit dem Leinenhaken rausziehen. Wäre so einfach gewesen, hätte man es vorher gewusst. Danach war ich für eine kurze Zeit erst einmal bedient, siehe Foto. 🙂

      Containerterminal in Braunschweig
      Fahrerwechsel
      Vorbereitung auf die Schleusung mit den Frachtern in Anderten
      Nach den Schwierigkeiten war die Stimmung kurz am Boden.

      Unsere Bremer Freunde hatten heute auch ihre Schwierigkeiten. Ihnen ist der Motor im Kanal ausgegangen und sie landet an der Spundwand Not, jedoch ohne, dass alle Fender draußen waren. Sie haben nun auch eine Schramme. Der Motor läuft wohl nach der Entlüftung wieder. Wir wüssten gar nicht, wie wir unseren Motor entlüften könnten.

      Nach Anderten führte uns unser Weg weiter durch Hannover. Da wir gestern etwas schneller fuhren, heute mehr Gegenwind hatten und unsere Tankanzeige nicht zuverlässig funktioniert, haben wir uns entschieden in Hannover (letzte Tankstelle vor Bremen auf unserer Route :-)) zu tanken. Wir rechneten mit 160 Litern. Am Ende waren es 203,9 bei einem Dieselpreis von 2,14 Euro. Oh no! Heute koche also ich. 🙂

      Buchholzer Mühle in Hannover
      Eine halbe Tankfüllung haben wir in den drei Tagen verfahren.

      Gegen 18.00 Uhr sind wir im Hafen in Seelze bei Hannover angekommen. Gut, dass wir morgen wieder ablegen, denn der Hafen ist ein „No Go!“ Das Restaurant / Hotel / Bar gibt es nicht mehr und so sieht auch alles aus. Die sanitären Anlagen sind extrem hellhörig und die Frauen duschen bei den Herren, weil der Warmwasserboiler defekt ist. Bei den Herren geht das Licht aber nicht. Der Luxus kostet uns 29 Euro und ist damit der teuerste Hafen bis jetzt auf unserer Route.

      Unser Hafen in Seelze, alles irgendwie marode oder defekt.

      Fazit des Tages: Wir sind heute 97,7 km gefahren und waren gute 10h unterwegs bei einer Fahrzeit von ca. 7,5h. Durchschnittlich sind wir ca. 13 km/h gefahren.

      Wir gehen jetzt duschen, da wir morgen sehr bald aufbrechen. Bis morgen.

      Liebe Grüße an die Daheimgebliebenen

      David & Julia

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