Von Werder (a.d. Havel) nach Bremen und zurück, Tag 2

      Tag 2 (22.07.2025) – Von Burg bei Magdeburg nach Wolfsburg

      Heute haben wir um 07.45 Uhr in Burg in Richtung Mittellandkanal talabwärts abgelegt. Vor dem Mittellandkanal mussten wir die Schleuse Hohenwarthe passieren. Der Sportanleger befindet sich auch hier an Backbordseite (links) und ist relativ kurz. Vor uns hatte sich bereits ein Sportboot für die Schleusung angemeldet. Also machten wir an der Spundwand mit Mittelleine und Vorderleine hinter diesem fest, denn mehr Platz war nicht. Mit großer Überraschung vernahmen wir beim Warten Paddelschläge neben uns wahr. Ein nicht deutschsprachiger Kanufahrer wollte mit uns Sportbooten in die Schleuse einfahren. Bei 15 Metern Hub war das ein mutiges Abenteuer und natürlich nicht erlaubt. David erklärte ihm auf Englisch, dass er für dieses Abenteuer eine Sondererlaubnis vom Schleusenpersonal und der Wasserschutzpolizei benötigt. Daraufhin legte er an und schob sein Kanu mit einem Kajaktrolley bergauf.

      Schleuse Hohenwarthe

      In der Zwischenzeit kam ein weiteres Sportboot und wollte am Wartebereich anlegen, der bereits durch uns und durch das erste Sportboot belegt war. Kurzer Hand lud David die Besatzung ein bei uns Steuerbord festzumachen. Wir nutzten die Wartezeit für einen kurzen Plausch unter Sportbootsbegeisterten.

      Das Ehepaar kommt ursprünglich aus der Nähe von Bremen. Was für ein Zufall. Sie sind seit drei Jahren Schiffsbesitzer und nutzen ihr Rentnerdasein für Reisen mit dem eigenen Boot. So erzählte sie uns von ihrer 10wöchigen Reise durch die dänische Südsee in die Schärenküste von Stockholm. Ein Traum! Die zwei waren so nett und wir sehr dankbar, dass wir mit ihnen durch die Schleuse fahren konnten.

      In der Schleuse haben wir das erste Mal in unserem Leben mit der Mitteleine an einem Schwimmpoller festgemacht. Habe ich gestern noch geschrieben, dass man beim Schleusen die Leine niemals auf die Klampe legen darf sondern immer in der Hand halten sollte, war dies heute ein großer Fehler. Wir wurden nach oben geschleust und das Wasser kam nicht wie immer von Vorne sondern von der Seite, am Poller 4, dort wo unsere neuen Bekannten lagen. Das einströmende Wasser drückte unser Bug zur Seite (wir lagen an Poller 5) und unsere Gloria verlagerte sich Richtung Schleusenkammermitte. Ich konnte unser Boot kaum halten. Wir bekamen von unseren Bremerfreunden den Tipp uns mit unserem Körper inklusive Leine Richtung Bug zu verlagern und dieser Tipp war Gold wert. Unser Boot zog sich zurück an die Schleusenwand und der Wärter schleuste nun etwas langsamer. Vielen Dank dafür. Er war wirklich sehr hilfsbereit. Die einwirkenden Kräfte waren zu stark für mich. Meine Kraft ließ nach und meine Arme zitterten, so dass der Kapitän selbst die Leine ergreifen musste.

      Einfahrt in die Schleuse
      Anlegen an einem Schwimmpoller, der mit steigendem Wasserstand wie ein Fahrstuhl nach oben fährt.
      Nach missglücktem ersten Versuch übernahm der Kapitän das Schleusen.

      Nach dem Schock ging es Richtung Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Dort trafen wir unseren Kanufahrer wieder, der im gleichen Zeitraum den Weg zu Fuß geschafft hatte. Das Kreuz ist ein gigantisches Verkehrsprojekt. Der Mittellandkanal führt hier über die Elbe. Seit 2003 gibt es die Kanalbrücke. Die Elbe ist ein Fluss, welcher wenig Wasser führt. Das kennen wir ja aus Dresden. Dadurch ist die Strecke vom Elbe-Havel-Kanal in den Mittellandkanal ganzjährig beschiffbar und man spart sich einen 12km langen Umweg über die Elbe deren Pegel zwischen 1,3 und 1,5 m im Jahr schwankt und deshalb für die Berufsschifffahrt nicht 365 Tage im Jahr passierbar ist.

      Einfahrt in die Kanalbrücke des Wasserstraßenkreuzes bei Magdeburg
      Die Kanalbrücke wird darunter gekreuzt von der Elbe.

      Tipp: Vor der Einfahrt in die Kanalbrücke ist es wichtig sich noch einmal beim Schleusenwärter der Hohenwarte für die Durchfahrt anzumelden. Nur dieser gibt die einspurig befahrbare Brücke frei. Wer aus Richtung Hohenwarthe kommt, hat in der Regel Vorfahrt, aber nicht zwingend. Wer es darauf anlegt, ohne Erlaubnis die Brücke zu passieren, wird am Ende von der Wasserschutzpolizei begrüßt, denn die Brücke wird per Video überwacht.

      Die Kanalbrücke ist offen und dadurch sehr windanfällig, hinzukommt, dass die Brücke nicht sehr breit ist, so kam es heute zu einer starken Strömung und Wellengang. Unsere Gloria taumelte im Wind und David musst sich stark konzentrieren, dass Boot in Spur zu halten. Im offenen ersten Teilstück des Mittellandkanals hätte ich mir heute an der ein oder anderen Stelle Stabilisatoren wie bei einem großen Kreuzer gewünscht. Haben wir leider nicht, weshalb wir den Horizont fixierten, um nicht nicht seekrank zu werden.

      Die weitere Fahrt auf den Mittellandkanal war weniger spektakulär. Wir wurden begleitet von immer wieder auftretenden Regengüssen. Landschaftlich war es wenig abwechslungsreich. Hin und wieder kamen wir an Verladeterminals der Binnenfrachter vorbei. So wechselten wir uns beim Fahren ab und nutzten die Pausen für ein kurzes Nickerchen. Immerhin sind wir ja im Urlaub. 🙂

      Verladeterminal der Binnenschifffahrt
      Wolkenbruch
      Aufgabenwechsel
      Kleines Päuschen

      Um 16.00 Uhr fuhren wir beim 1. Motoryachtclub Wolfsburg ein und legten in unserer vom Hafenmeister zu gewiesenen Box an. Wie immer habe ich bereits gegen Mittag mit dem Hafenmeister telefoniert, um uns ein Gastliegerplatz zu reservieren. Der Hafen ist super schön und glänzt mit einer gewissen Vorgartenromantik. Der Hafenmeister ist sehr nett und hilfsbereit. Für eine Nacht zahlen wir bei unseren knapp 10 m 20 Euro exklusive Strom (0,50 Euro pro kWh) und Dusche (1 Euro pro 5 Minuten). Wir bekamen vom Hafenmeister einen Standplan mit eingezeichneten Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel. Er hat auch David gezeigt, wo das große Outlet-Center zu finden ist, aber er solle selbst entscheiden, ob er es seiner Frau erzählen möchte. 🙂 Ein großes Herz für den Hafenmeister aber nach Shopping war mir heute nicht, lieber wollten wir beim Griechen lecker Essen gehen.

      Im Hafen des 1. Motoryachtclub Wolfsburg
      VW-Werk in Wolfsburg, rechts die Autostadt
      Riesiges Outlet-Center

      Fazit des Tages: Heute haben wir innerhalb von 8h 86,8 km bei einer reinen Fahrzeit von 6h zurückgelegt. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betrug ca. 15 km/h. Die fehlenden zwei Stunden haben wir in Hohenwarthe vor und in der Schleuse verloren.

      Ziel erreicht!

      Um noch etwas Bewegung zu bekommen, sind wir an den Sportstätten des VFL Wolfsburg (denn wir liegen genau gegenüber) und vorbei an der Autostadt von VW in die Innenstadt gelaufen. Wolfsburg als typische Industriestadt fehlt es an historischen Gebäuden im Zentrum und dadurch mangelt es am städtischen Flair, welches beispielsweise Nürnberg, Dresden oder Köln in sich tragen. Kurz: Nicht hübsch! Auf dem Rückweg wurden wir mal wieder von einen kräftigen Regenguss überrascht, so dass wir mehr als nass an unserem Liegeplatz ankamen.

      Nach viel Ouzo und einem leckeren Gyros beim Griechen in unserem Hafen lassen wir den Abend beim Frauenfussball-EM-Halbfinale England gegen Italien ausklingen.

      Beim Griechen im Hafen

      Bis morgen!

      Julia & David

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